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Das frage ich mich

Plaudereien über Gott und die Welt
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von coffee_smurf » Do 24. Sep 2020, 14:18

Reden wir jetzt von Absicht oder Versehen?

Das geht aus C-Reals Frage nicht hervor.
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von Therak » Do 24. Sep 2020, 14:27

Mh.
Das ändert die grundsätzliche Intention der Frage.

Ist man ein Arschloch, das in ein Wespennest sticht
...oder ist man jemand, der sich nicht mehr traut seine Meinung zu sagen, weil die anderen eh auf einen einschlagen - Stichwort Cancel Culture.
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von TheDarkShadow » Do 24. Sep 2020, 14:50

Jep, großer Unterschied und jup, den Fall mit einem Gamingforum und Extremistenmeinung, den hab ich auch schon geschafft :D
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von C-Real » Do 24. Sep 2020, 14:52

coffee_smurf hat geschrieben:
Do 24. Sep 2020, 14:10
Ich frage mich: warum sollte ich sowas machen?

Um durch Provokation mein eigenes Ego aufzupolieren?
Weil mir langweilig ist?
Um meine eigenen Unzulänglichkeiten zu überspielen, mit denen ich selber nicht umgehen kann?
Um Dampf abzulassen, weil ich selber gedissed werde?
Weil ich keine andere Möglichkeit habe, mit Niederlagen fertig zu werden?

Usw usw.
Also aus diesen Optionen: Weil mir langweilig ist. Aber auch, um eben auch mal die eigene Echokammer zu verlassen und sich anderen Ansichten zu stellen, egal wie bekloppt die sein mögen. Die haben wir ja alle irgendwo. Insofern geht es eben gerade nicht darum, einen auf Troll zu machen. Du kannst es sogar Idealismus nennen.

Ich rede hier in meinem Fall nicht von irgendwelchem Veganer-sind-doof-Blödsinn, sondern bspw. so ein YouTube-Kanal, auf dem ich kommentiere. Es geht vornehmlich um Politisches: Trump, Brexit, Cancel Culture, BLM etc. Das ist so ein Ding, der sich als "vernünftig" geriert und mit seinen Gästen auch provozieren will, aber dabei eher in die alt right Ecke geht, wobei das auch zu grob gesagt wäre.
In jedem Fall ist aber die Kommentarspalte ein ziemlicher rechter/verschwörungstheoretischer Sauhaufen. Da erkläre ich dann gerne mal, dass der Brexit die dümmste Idee ever ist usw. usf. Natürlich bekomme ich Gegenwind. Aber ich kann's nicht lassen. ;) Wollte nur wissen, ob es Anderen ähnlich geht?
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von coffee_smurf » Do 24. Sep 2020, 15:07

Aha so war die Frage gemeint.
War eher von der"Troll" oder "Oops" Variante ausgegangen.

Damit haben wir eine dritte Option: den Geduldigen, der den Meinungsaustausch sucht und mit Argumenten kommt, ohne dass explizit (und vernünftig) darauf eingegangen wird.
Ja den Fall hatte ich auch schon mal.
Und nochmal ja, ich kanns dann auch nicht lassen :D.
Führt im Idealfall dazu, dass man neue Argumente bekommt/findet, man also auch etwas über sich und andere lernt und in Zukunft gezielter argumentieren kann.
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von Therak » Do 24. Sep 2020, 15:20

Den Veganer-Vergleich hab ich deshalb gebracht, weil ich nicht davon ausgehe, dass sich hier im Forum militante Veganer aufhalten und sich daher niemand auf die Füße getreten fühlt.
Das was du beschreibst, das ist mir die Mühe nicht wert. Egal in welche Richtung du stichst. Stichst du in eine rechte Blase, sind die dortigen User meist zu Hass-Verblendet, damit deine Argumente überhaupt Fuß fassen können - und stichst du in eine linke Blase, sind die dortigen User meist so sehr von ihrer Überlegenheit überzeugt, dass du in der Gruppe zerfetzt wirst.
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von coffee_smurf » Do 24. Sep 2020, 15:49

Ich finde die Idee grundsätzlich schon spannend. Früher nannte man sowas "Gespräch" ;)
Kann abhängig vom Interesse/Thema unterhaltsam und/oder lehrreich sein.

Wobei ich dazu sagen muss, dass das Internet die Hemmschwelle herabgesetzt und den Umgang miteinander bei manchen etwas "verroht" hat, weil die damit verbundene realative Anonymität etwas anderes ist als persönlicher Augenkontakt im RL.

Extreme oder militante Ansichten (egal zu welchem Thema) sind per se schlecht. Damit verbaut man sich nur die Option, neues zu lernen und sich weiter zu entwickeln, weil man von Hause aus "dicht macht".
Stillstand ist Rückschritt.
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von McCrazy » Do 24. Sep 2020, 15:52

Ich check das nicht. Man geht in ein Forum z.B. wo über Dinge diskutiert werden, die einen eigentlich nicht interessieren und postet gegenteilige Meinungen, um die Leute anzustacheln? Hmmm, früher hiess das noch trollen, oder so was.

Aus solchen Dingen halte ich mich raus. Das braucht zu viel Zeit und Energie sich mit so Krempel abzugeben. Gibt es nicht schon genug Ärger überall, als dass man das noch verstärken muss?
Jeder wie er/sie/es will, aber ich finds 'ne blöde Sache. Vor allem, weil man die festgesetzte Meinung von Leuten manchmal nicht mit solchen Aktionen ändern kann.

Jetzt frage ich mich, warum ich überhaupt nachgefragt habe. ;)
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von TheDarkShadow » Do 24. Sep 2020, 15:59

Naja, ich folge bei Twitter etlichen Leuten aus unterschiedlichen Strömungen, alleine um immer wieder Einblicke zu bekommen wie es außerhalb meines Ereignishorizontes aussieht. Das klappt soweit ganz gut, wenn es auch zu sehr viel Stirnrunzeln führt, mal vorsichtig ausgedrückt. Aber,, ich vermeide Diskussionen mit den, ich nenne es mal extremen Teil, der Leute, denn jedes Mal wenn ich das versuche, dann bereue ich das nach kürzester Zeit, es folgen nämlich keine Dialoge oder ein Meinungsaustausch sondern adhoc persönliche Angriffe, Unterstellungen und Drohungen, das macht keinen Spaß und scheint auch nichts zu bringen, außer den massiven Verlust von Nerven und einem gehörigen Potenzial an zusätzlicher Frustration. Prädikat: Nicht zu empfehlen.
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von uzi » Do 24. Sep 2020, 16:20

ich hab vor ner weile mit nem flat-earther diskutiert. zählt das? :D
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von coffee_smurf » Do 24. Sep 2020, 16:23

McCrazy hat geschrieben:
Do 24. Sep 2020, 15:52
Jetzt frage ich mich, warum ich überhaupt nachgefragt habe. ;)
Bist mir nur zuvorgekommen ;). Ich hätte das auch nicht gewusst.
Was ist daran schlecht, nachzufragen und neugierig zu sein?



TheDarkShadow hat geschrieben:
Do 24. Sep 2020, 15:59
es folgen nämlich keine Dialoge oder ein Meinungsaustausch sondern adhoc persönliche Angriffe, Unterstellungen und Drohungen
Die Frage ist: warum?
Liegt es an der Anonymität des Internets oder sind solche Leute einfach nur zu faul, sich mit anderen Argumentn auseinander zu setzen, weil man dann mal (um-)denken müsste, wo es doch genug Gleichgesinnte gibt, die einem zustimmen, ohne dass man erst Argumente suchen muss?


@uzi

Ja - sofern er Terry Pratchett Fan ist ;D
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von Therak » Do 24. Sep 2020, 16:39

TheDarkShadow hat geschrieben:
Do 24. Sep 2020, 15:59
Aber,, ich vermeide Diskussionen mit den, ich nenne es mal extremen Teil, der Leute, denn jedes Mal wenn ich das versuche, dann bereue ich das nach kürzester Zeit, es folgen nämlich keine Dialoge oder ein Meinungsaustausch sondern adhoc persönliche Angriffe, Unterstellungen und Drohungen, das macht keinen Spaß und scheint auch nichts zu bringen, außer den massiven Verlust von Nerven und einem gehörigen Potenzial an zusätzlicher Frustration. Prädikat: Nicht zu empfehlen.
In meinem konkreten Fall würde ich die anderen Personen ja nicht einmal als "extrem" bezeichnen (vielleicht auch deshalb, weil im politischen Spektrum das 'extrem' sich extrem rauszieht) - maximal vielleicht als extrem verblendet.
Wobei das schon spannend war, wie eine "Diskussion" mit einer besonders nachtragenden Ehefrau. "Weiß du noch, damals 1978? Da haste auch dieser Schlampe nachgeschaut!".
In meinem Fall habe ich den Fehler gemacht zu erwähnen, dass ich das alte Programm von Dieter Nuhr ganz amüsant fand - also als er noch über verlorene Geldbörsen und Fußnägel von Johnny Depp geredet hat. Aber heute ist er wohl ein Feind von links, wie ich erfahren musste, also hatte man einen weiteren Nagel für den Prügel, der auf mich runtergefahren ist.

In diesem Kontext: Der Mann ist auch ein Feind von rechts. Und beide Seiten behaupten, er gehöre zur anderen Seite. Das muss man auch erstmal fertig bringen. :D
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von coffee_smurf » Do 24. Sep 2020, 16:57

Mal eine "Zwischenfrage", weils gerade so gut passt:

Ist das Thena "Politik" eigentlich deshalb so schwierig in Diskussionen, weil Deutschland eine so unrühmliche Vergangenheit hat, oder ist das allgemein so?

Wie ist das in anderen Ländern, wenn die über ihre eigene Politik reden?
Damit meine ich jetzt nicht Fälle wie Diktaturen, sondern vergleichbare politische Systeme wie unser heutiges, also Demokratien mit Meinungsfreiheit.
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von C-Real » Do 24. Sep 2020, 17:00

McCrazy hat geschrieben:
Do 24. Sep 2020, 15:52
Ich check das nicht. Man geht in ein Forum z.B. wo über Dinge diskutiert werden, die einen eigentlich nicht interessieren und postet gegenteilige Meinungen, um die Leute anzustacheln? Hmmm, früher hiess das noch trollen, oder so was.
In meienm Fall ist das aber von dir falsch verstanden. Ich poste z.B. unter ein YouTube-Video, das politisch ist, aber nicht direkt nur die eine Seite anspricht. Das ist der Eingang in die Echokammer, wenn du so willst, aber nicht die Echokammer an sich. Interessant in meinem Beispiel ist, dass die beiden YouTuber sich als enttäuschte Linke beschreiben (oder sogar klassische Linke).
Radikaler - könnte ein schöner Aktionismus sein? - wäre es schon, in ein Alt-Right Subreddit zu gehen oder so und dort den Leuten ihre Blödheit vorzuhalten. Das ist "Stunk", aber womöglich ein produktiver.

Mich treibt so ein bisschen um, dass sich dieses ganze Verbarrikadieren in der eigenen Weltsicht über all durchschlägt und ich da kaum ein Gegenmittel zu sehe außer eben ein bisschen Vernunft in "Trump will win by landslide and purge America!!!"-Kommentarspalten zu pusten. Oder es zu versuchen.
Natürlich ist es im Internet alles extremer, und man sollte das nicht mit der Welt außerhalb des Computers verwechseln. Aber hier ist es eben auch am einfachsten, Einblicke in die anderen Seiten zu erhalten (und das nebenbei auf der Arbeit zu tun ;)).

@coffee_smurf:
Zu deiner letzten Nachfrage kann ich dir nur sagen: Das ist anderswo auch ziemlich schlimm. Ich kenne ja die Diskussionen im UK und das ist dort ziemlich erschreckend, eben insbesondere beim Thema Brexit. Man kann den Leuten jetzt ein schönes "told you so" entgegenhalten und trotzdem mauern die und finden immer wieder andere Schuldige. Jetzt werden sogar schon einige Brexiteers als "Remainers at heart" gebrandmarkt, die natürlich "den Volkswillen unterminieren".
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von Therak » Do 24. Sep 2020, 17:05

Jedes Land dürfte so seine Problemchen haben, was Politikdiskussionen angeht.

Durch die deutsche Vergangenheit hat halt 'rechts' so nen bitteren Nachgeschmack, wodurch sich bei der linken Fraktion diese leichte Arroganz entwickelt hat.
Bzw, wie bereits geschrieben, die Angewohnheit, rechts (und alles was einem sonst nicht passt) durch die Cancel Culture auszuklammern.

Im Ausland isses aber auch nicht besser. Wenn du Vertreter der entgegengesetzten Parteien in einen (Chat)Raum setzt, wirst du auch keine sinnvolle Diskussion bekommen.
Egal ob nun Torries vs Labour oder Demokraten vs Republikaner.
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von Pyrokar » Do 24. Sep 2020, 18:13

Ich denke Politik ist deshalb so schwer zu diskutieren, weil sie entartet ist und einen viel größeren Einfluss auf unser Leben hat als sie haben sollte. Beim Thema Klimawandel oder Corona zum Beispiel, sind ja manche der Ansicht, dass die Politik unsere Leben retten muss. Andere sehen ihre Existenz durch Einwanderung bedroht. Da gibt es halt nicht mehr viel zu diskutieren.
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von coffee_smurf » Do 24. Sep 2020, 18:48

Pyrokar hat geschrieben:
Do 24. Sep 2020, 18:13
Ich denke Politik ist deshalb so schwer zu diskutieren, weil sie entartet ist und einen viel größeren Einfluss auf unser Leben hat als sie haben sollte.

Nehmen wir als Beispiel Corona:

Politik und ihre Handlung hängt auch sehr vom Verhalten des/der Einzelnen ab.
Das fängt bei Wahlen (wählen oder nicht) an und geht über die persönliche Akzeptanz von Regeln (Maskenpflicht) über die Meckerei, wenn strengere Regeln oder Gesetze kommen, weil die einfachen "Empfehlungen" nicht ausreichen, weil sich niemand dran hält und es dadurch schlimmer wird (Corona-Parties).

Politik ist auch die Verantwortung des Einzelnen, anstatt in einer Mischung aus Ignoranz und Gleichgültigkeit zu versinken, nur um dann umso lauter rum zu meckern.
Oder sich in ein Extrem zu flüchten und einzumauern.

IMHO hat Politik in Deutschland deswegen mehr Einfluss, als sie sollte.
Weil sie es muss, nicht weil sie es will.

International gesehen reden wir auf Grund der unterschiedlichen Systeme über eine ganz andere Hausnummer.
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von Pyrokar » Do 24. Sep 2020, 19:20

Sehe ich genau so, nur ist mein Eindruck, dass dieser Sinn für persönliche Verantwortung etwas verloren geht. Nur denke ich, dass die Politik auch durchaus ihren Nutzen daraus zieht. Politik ist auf Machterhalt ausgelegt und Politiker wollen wiedergewählt werden.
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von C-Real » Do 24. Sep 2020, 19:23

Therak hat geschrieben:
Do 24. Sep 2020, 17:05
Jedes Land dürfte so seine Problemchen haben, was Politikdiskussionen angeht.
Wenn man das spezifizieren will, hat wohl jedes Land tatsächlich so seine ganz eigenen Themen, bei denen viel Rationalität durch die Decke geht. Hier ein paar Beispiele:

- Deutschland: Tempolimit oder gerade Corona-Maßnahmen (wobei ich letzteres eher auf das übliche Erfolgsparadox zurückführe: "Wir haben doch gesehen, dass es nicht so schlimm ist, also brauchen wir die Masken auch nicht!"),
- Großbritannien: Exceptionalism, in Verbindung mit Nostalgie und insbesondere dem Feindbild EU,
- Türkei: Die Kurden als großes Übel,
- USA: Waffen und Frreeeeeeeeedom!

@Pyrokar:
Sicherlich könnte das ein Erklärungsansatz sein, das ist ein interessanter Gedanke. Erscheint mir irgendwie auch als Folge von Globalisierung, die, weil die Prozesse ja global sind, mit hypermoralischen Maßstäben (ich mein damit eine Diskussion in der Ethik, verknüpft mit dem Namen Arnold Gehlen, der den Begriff geprägt hat - und nicht einfach nur die polemische Verwendung davon) betrachtet werden.
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von coffee_smurf » Do 24. Sep 2020, 20:11

Pyrokar hat geschrieben:
Do 24. Sep 2020, 19:20
mein Eindruck, dass dieser Sinn für persönliche Verantwortung etwas verloren geht.
stimmt, dazu habe ich hier schon öfter was geschrieben.
Ich frage mich: warum ist das so?
Anstatt selber zu recherchieren und das Gehirn zu benutzen, findet Meinungsbildung heut zu Tage mehr nach dem "Copy & Paste" Prinzip statt. Womit wir wieder bei der Meinungsbildung ohne Selbstreflektion wären. Ist ja sooo viel einfacher & bequemer, zumal einem ja die notwendigen Argumente für Meinungsgegner gleich mitgeliefert werden ...
Teilweise auch Frust (Wahlmüdigkeit) oder einfach Faulheit. Oder eine Filterfunktion namens "gesunder Menschenverstand"; welche im Stress des normalen Alltags im stand-bye geparkt ist? Verantwortung braucht Zeit und Selbstreflektion.
Und den Mut, (unbequeme) Fragen zu stellen.
Und NICHT: Gehirn aus + Herdentrieb = passt schon; kann mich ja später im Netz anonym auskotzen.

Sorry, wenn das jetzt so ultra-moralisch klingt, aber ist meine ehrliche Meinung.
Ich nehme mir diese Zeit. Deswegen finde ich ja auch gut, was C-Real macht (siehe weiter oben im Thread: Störenfried-Frage).


Pyrokar hat geschrieben:
Do 24. Sep 2020, 19:20
dass die Politik auch durchaus ihren Nutzen daraus zieht. Politik ist auf Machterhalt ausgelegt und Politiker wollen wiedergewählt werden.
Bedingt.
Macht ist auch Verantwortung, die Frage ist vielmehr, wofür man sie nutzt.
Und die Verantwortung des Einzelnen ist, wem ich diese Macht gebe.
Zuletzt geändert von coffee_smurf am Do 24. Sep 2020, 20:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von Pyrokar » Do 24. Sep 2020, 20:16

@Pyrokar:
Sicherlich könnte das ein Erklärungsansatz sein, das ist ein interessanter Gedanke. Erscheint mir irgendwie auch als Folge von Globalisierung, die, weil die Prozesse ja global sind, mit hypermoralischen Maßstäben (ich mein damit eine Diskussion in der Ethik, verknüpft mit dem Namen Arnold Gehlen, der den Begriff geprägt hat - und nicht einfach nur die polemische Verwendung davon) betrachtet werden.
Sehe ich auch so. Ich weiß nicht ob sie es wirklich ist, aber die Welt erscheint heute komplizierter. Und wenn auch nur dadurch, dass wir mit viel mehr Informationen konfrontiert sind.
Für mich gibt es dabei aber zwei Grundsätzliche Fragen: Kann man Moral von oben herab vorgeben? Und haben Politiker wirklich mehr Ahnung?

Persönlich beantworte ich beide mit nein. Moral muss von der Gesellschaft getragen werden, sie kann nicht verordnet werden. Und kein Politiker kann jemals so viel Ahnung haben, dass er persönliche Verantwortung ersetzen könnte.

Ich frage mich: warum ist das so?
Ich glaube die Menschen waren schon immer so, nur gab es eben früher keine Demokratie, wo diese Verantwortung überhaupt nötig war. Und es gibt ja auch keine wirklichen Versuche da mehr Aufzuklären und die Leute zu mehr Verantwortung hin zu bilden.
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von coffee_smurf » Do 24. Sep 2020, 20:27

Im Gegensatz zu früher liegt die "Aufklärung" auch in der Verantwortung des Einzelnen, sich die notwenigen Informationen bei (nahezuer) Informations- und Pressefreiheit selbst zu beschaffen und zu filtern.
Vielleicht wäre "Medienkompetenz und Meinungsbildung" mal ein VHS-Kurs, den man anbieten sollte ;).
Medienkompetenz soll ja Schulfach werden, ist zumindest ein Ansatz.
Die ältere Generation muss sich halt selber helfen :D
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von Pyrokar » Do 24. Sep 2020, 20:34

Solche Prozesse brauchen natürlich immer Zeit, finde ich aber einen Lobenswerten Ansatz. Einfach nur damit mal jeder gehört hat, dass man nicht einfach alles glauben soll, was auf Facebook steht. ;)

Zu dem Thema gibt es auch ein interessantes Gespräch zwischen RIchard David Precht und Rezo: https://www.youtube.com/watch?v=zxnNZ09qaL4
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von Therak » Do 24. Sep 2020, 20:47

Pyrokar hat geschrieben:
Do 24. Sep 2020, 20:16
Und haben Politiker wirklich mehr Ahnung?
Ich muss hierbei immer an die müßige Killerspieldiskussion von damals denken, wo ja auch regelmäßig Experten aus der Politik zu Wort kamen.
Bis dato hab ich noch gedacht "Naja, die Politiker werden es besser wissen, ich hab da ja keinen so großen Durchblick" - bei der Killerspieldiskussion wurde aber über ein Thema gesprochen, zu dem ich mich auskannte. Und da durfte ich zusehen, wie sogenannte Experten Begriffe und Thesen durcheinanderwarfen oder wie das Öffentlich Rechtliche Dinge und Fakten unterschlug, um ein bestimmtes Meinungsbild zu erzeugen. Sprich: Nein, die Politiker haben nicht zwangsläufig mehr Ahnung.
Aber das darf man eben auch nicht pauschal auf alle Politiker und alle Themen anwenden.

Im Falle von Corona ist es ja offensichtlich, dass die Politiker keine Ahnung haben und nur bestimmte vorgeschlagene Richtlinien diktieren. Ob's hilft oder nicht sieht man halt erst im Nachhinein. Aber: Ich weiß auch, dass ich selbst auch nicht mehr Ahnung zu dem Thema habe. Ich kann mich also entscheiden, ob ich den Anforderungen Folge leiste oder mich eben querstelle, weil ich mir einrede, dass ich und "meine Experten" es "besser" wissen.

Aber was jetzt Finanzen angeht, diplomatische Fragen oder die Flüchtlingspolitik, da fehlt mir einfach der komplette Durchblick um sagen zu können, ob Politiker Ahnung haben... oder nicht. Dennoch erlaube ich mir die Meinung zu sagen, dass Merkels Flüchtlingspolitik, vor allem was das aktuelle Moria-Problemchen (das Lager hat(te) übrigens 2,4 Sterne auf Google :D) angeht, nicht unbedingt optimal ist. Sowohl für Deutschland, als auch was den Zusammenhalt in der EU angeht.
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von coffee_smurf » Do 24. Sep 2020, 20:48

Das eigentliche Problem ist IMHO der psychologische Effekt (Facebook aber auch allgemein):
Der Mensch ist nun mal ein Herdentier, und sich gegen den Strom stellen kostet Nerven und Likes (= Prestige und soziale Anerkennung, die sich, gerade auch auf FB, auch stark aufs RL auswirkt). Mit diesem Druck umzugehen, wäre ein interessanter Teilaspekt der Medienkompetenz.
Zumal der Druck im Netz wesentlicher höher und die Folgen des eigenen Handelns schwerer zu kontrollieren sind als im RL.

Also lautet die erste Regel fürs Web:
Gehirn EINSCHALTEN :D


@ Therak

Killerspiele und Politik:
Da fällt mir immer Christian Pfeiffer ein ...

Soviel zum Thema Politik + Ahnung + Kompetenz + Killerspiele
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von Therak » Do 24. Sep 2020, 21:14

coffee_smurf hat geschrieben:
Do 24. Sep 2020, 20:48
Killerspiele und Politik:
Da fällt mir immer Christian Pfeiffer ein ...
Aber der war ja kein Politiker.
Übrigens trau ich ihm durchaus zu, dass er Ahnung hatte - aber er hatte auch ne persönliche Agenda, die er verfolgte.
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von coffee_smurf » Do 24. Sep 2020, 21:39

Er war von 2000 bis 2003 niedersächsischer Justizminister (SPD).

Ich hab mal ein Interview von ihm gelesen.
Ist zugegebener Maßen schon eine ganze Weile her.
Kann sein, dass sich seine Meinungen inzwischen etwas relativiert haben), aber für mich ist er die (negative) Gallions-Figur der Killerspiel-Debatte.


Es stellte sich heraus, dass er
- selbst keine Kinder hat
- noch nie selbst irgendein Spiel gespielt hat
- seine Statistiken auf Fragenbögen basierten, die auf Schulhöfen verteilt worden waren

Er hat in diesem Interview:
- sich ständig selbst widersprochen
- kannte seine eigenen Ergebnisse nur unzureichend
- ist jeder Nachfrage ausgewichen und auf seine Message "PC Spiele sind schlecht, weil sie unsere Jugend verrohen und die Ursache für steigende Gewalt an Schulen und überhaupt sind" zurückgefallen
- hat, nachdem er mit den genannten Punkten konfrontiert wurde, das Interview abgebrochen

Nennst du sowas "politische Kompetenz"?
Oder "Ahnung haben, weil gut informiert"?

Möglicherweise hat sich seine Einstellung ja inzwischen geändert, aber ich mag das jetzt nicht wirklich nachprüfen.
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von coffee_smurf » Do 24. Sep 2020, 21:57

Nachtrag:

Und ja, ich meine den Kriminologen ;)
Oder reden wir jetzt aneinander vorbei?
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von Therak » Do 24. Sep 2020, 22:14

Ich habe nie gesagt, dass er politische Kompetenz besaß - ich sagte nur, dass ich im zutraue, dass er Ahnung hatte.
Aber er fand halt, dass Komputahspiele die Wurzel allen Übels waren, also hat er alle Daten die er bekam so zurechtgelegt, dass die Ergebnisse zu seiner Meinung passten.
Ähnlich wie bei den ÖR, die ganz genau wussten, dass die Zuschauer durch die Art der gezeigten Bilder manipulieren.

Ahnung haben und diese neutral widergeben sind zwei paar Schuhe.
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Re: Das frage ich mich

Beitrag von coffee_smurf » Do 24. Sep 2020, 22:54

Stimmt, du hast gesagt, dass er kein Politiker war :D

Aber wenn man solche Leute als Maßstab für solche Diskussionen heranzieht (auch wenn es um die manipulative Befeuerung einer Meinung geht) ist es doch kein Wunder, dass das Ganze mit einem Vertrauensverlust in die Politik endet.
Womit wir wieder bei der Eigenverantwortung zur informativen Meinungsbildung des/der Einzelnen wären.

Besagtes Interview war mein erster "Kontakt" mit Prof. Pfeiffer, und es hallt in Bezug auf die Killerspiel-Debatte bis heute nach (posttraumatisches Schockerlebnis ;)).

Ich sage es noch einmal:
Politik heißt auch Verantwortung, auch für die Politiker.
Und es ist schade, wenn jemand mit sowas bzw. mit der Kritik an den eigenen Fehlern nicht umgehen kann.

Das mit der Sender-basierten Manipulation ist noch mal eine andere Geschichte, aber darum gings in dem Beispiel oben auch gar nicht.
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